Sonntag, Oktober 29, 2006

ZEITLOS

Noch 165 Tage und der Rest von heute...

Und schon wieder sind drei Wochen ins Land gezogen. Zeit soll ja relativ sein. Ich kann nur sagen, sie ist in jedem Fall relativ schnell vorbei. Hierzu drei Beispiele der letzten Wochen:

BEISPIEL 1 - Ende September hat Schmu nicht aufgepasst und ist von einem Tag auf den anderen neunundzwanzig Jahre alt geworden! Selber schuld, ich hatte ihn gewarnt. Immerhin hat er seinen Geburtstag dann auch, wie gewohnt souverän, im Hemmers bei sich um die Ecke gefeiert. Wir alle haben ihm in diesen schweren Stunden gerne beigestanden - ist doch Ehrensache! Er muss jetzt nur verdammt hellwach sein: Noch so ein Fehler und er ist dreißig...


Heute ein König (v.l.n.r.: Benedikt mit Aua-Auge, Schmu und Scampi)


BEISPIEL 2 - Da besucht jemand (Heinrich IV.) einen Geschäftspartner (Gregor VII.) und knapp tausend Jahre später gibt's hierzu eine Ausstellung: "Der Gang nach Canossa" hat vor zwei Wochen meine Verbindungs-Jungs und mich nach Paderborn verschlagen.

Zu der Ausstellung teilen sich die Meinungen, aber zu Paderborn gilt festzuhalten: Nettes Städtchen, aber nicht besonders aufregend. Zumindest nicht in den Semesterferien. Ein abendlicher Besuch im Pflaumenbaum, dem "total unmöglichen Gasthaus", gibt dann auch einen repräsentativen Querschnitt der dortigen Jugend wieder: Gelangweilte 15-jährige Blondies, die beim Popstars-Casting nicht dran kamen, weil der Anmeldebogen keine T9-Worterkennung zuließ. Betrunkene Teenies, die bei jeder von Muttis Zigaretten, die sie sich an dem Abend ansteckten, den Warnhinweis "Leicht entflammbar" hätten tragen müssen. Und nicht zu vergessen, die zwei mongoloiden Engelchen auf der Tanzfläche, die froh um jedes Gesicht waren, das an ihnen auf dem Weg zur Toilette vorbeikam und in diesem Kaff nicht mit ihnen verwandt war.


Gegen Hartz IV und Pisa-Studie, mehr Rechte für Randgruppen! (v.l.n.r.: Wolfgang, Schmu und Benedikt, im Hintergrund wahrscheinlich der Pflaumenbaum)

Das alles wäre ja noch erträglich und als nette Kleinstadt-Idylle zu belächeln, wenn die Paderborner in diese Oase des naiven Kleinbürgertums nicht eine Kirche hingesetzt hätten und diese stolz als "Dom" verkaufen. Netter Versuch, Jungs - in Köln haben wir McDonald's-Filialen, die geräumiger sind...

BEISPIEL 3 - Und als ob man über eine solche "Kapelle im Dompelz" nicht schon genug lachen könnte, entführte mich das letzte Wochenende direkt zum nächsten Touri-Nepp: in die "Dom- und Kaiserstadt" Fritzlar. Auch hier unterscheidet sich der "Dom" vom Eiscafé eine Straße weiter nur darin, dass er mehr Parkplätze anbietet. Und der Kaiser war auch nicht zu sehen!

Nun haben die Jungs und ich dieses Städtchen aber nicht wegen seiner
Postkartenmotive oder gar günstigen Verkehrsanbindung ausgewählt, sondern weil unser alter Kumpel, der dicke Braumeister, dort vor einigen Monaten seine neue Stelle angetreten hat. Als Bierpatriot nutzt man eine solche Gelegenheit natürlich sofort und so haben wir einen Abend im Brauhaus 1880 verbracht und die Früchte seiner täglichen Mühen probiert. Allen Erwartungen zum Trotze haben wir uns sogar benommen. Die Bilder erlauben einen kleinen Eindruck:


Zwei Flaschen mit Bier ergeben noch kein Flaschenbier - Besichtigung der Brauerei (v.l.n.r.: Schmu, der dicke Braumeister, Scampi, Benedikt)


Auch ohne Mütze spitze! (v.l.n.r.: Der dicke Braumeister, Joseph, Scampi, Benedikt)


Brauhaus-Wanderweg
(Schmu und der dicke Braumeister)

Soweit also die Vergangenheit. In einer Woche geht's nach Hamburg. Im Anschluss ist Karneval und danach geht's für einige Tage nach Wien. Bei dem derzeitigen Alkoholkonsum und den damit verbundenen Konservierungseigenschaften dürfte ich eigentlich gar nicht altern. Im besten Fall sollte ich also ewig an diesem Blog weiterschreiben können...

Sonntag, Oktober 08, 2006

ZUSAMMENFASSUNG

Noch 186 Tage und der Rest von heute...

... und somit liegen weniger Wochen vor als Jahre hinter mir. Jetzt sitze ich hier an einem Sonntagmorgen und höre mir eine CD an, die jemand extra für mich zusammengestellt hat. Eine super nette Geste, wie ich finde, und ein Beweis dafür, dass ich die letzten Tagen, die mir bis zu dem Moment bleiben, an dem sich mein Charisma ähnlich den Träumen einer schwangeren 15-Jährigen in Luft auflösen wird, zu nutzen weiß. Aber die CD ist ja nur die oft zitierte Spitze des Eisbergs - zur besseren Beurteilung was mich sonst noch beschäftigt hat, gibt's hier einen rückwärtigen Überblick:

AUGENSCHEINLICH - Leugnen nützt nix, es kommt ja ohnehin raus: Ich habe letzte Woche eine weißes Nasenhaar bei mir entdeckt! Ich habe es natürlich direkt entfernt, mit Benzin übergossen, angezündet und die Asche im Wald verstreut, aber es bleibt trotzdem ein schaler Nachgeschmack (vielleicht auch wegen des Benzins). An den leichten Grauschleier, der sich über meine Haare und Augen legt, habe ich mich ja gewöhnt, aber Nasenhaare sind doch eine Stufe höher anzusiedeln. Als nächstes folgen Altersflecken auf den Handrücken und Haarbüschel-Wildwuchs aus den Ohren.

AUGENAUFSCHLAG - Und als wenn ich durch solche Probleme nicht schon genug zu leiden hätte, meint doch irgendein ein Jungspund, mir auf das rechte Auge hauen zu müssen. Den genauen Tathergang bitte ich dem Strafantragsschreiben zu entnehmen. Ansonsten kann ich nur sagen: Es war eine Erfahrung wert und beinhaltet für jemanden, der wie ein Transrapid auf sein gesellschaftliches Ende zurast, drei Vorteile:

  1. Man selber und die Leute um einen herum beurteilen das eigene Erscheinungsbild um ein Vielfaches positiver, wenn das Gesicht Tage zuvor noch aussah, als hätte jemand darauf Stepptanz geübt.

  2. Eine Schwellung glättet sämtliche Falten - allerdings sollte der moderne und modebewußte Mann seine Kleidung auf die facettenreiche Farbgestaltung seines Gesichts abstimmen.

  3. In der nächtlichen Notaufnahme erhält der Kassenpatient einmalige Einblicke, wie es ist, wegen kleinerer Platzwunden von zwei Ärzten und einer Schwester umsorgt zu werden.
Ist also gleich zu setzen mit "Baum pflanzen" und sollte somit jeder Neunundzwanzigjährige einmal mitgemacht haben...

AUGENBLICK - Seit drei Wochen besitze ich eine Kamera! Keine von diesen schnelllebigen Cebit-, IFA- oder Photokina-Neuheiten, deren Gebrauchsanweisung genau so viele Seiten besitzt wie das Gerät Pixelauflösung. Nein, eine analoge LOMO-Fisheye-Kamera, die
ohne HDTV-Display, Freisprecheinrichtung oder Web 2.0-Funktion auskommt. Stattdessen mit 36mm-Film, Rädchen zum Weiterdrehen des selbigen und Folgekosten bei der Entwicklung. Sozusagen ein Statement gegen die Digitalisierung meiner Umgebung und gleichzeitig die Gelegenheit, die Welt an meiner Perspektive der Geschehnisse um mich herum (mit zeitlicher Verzögerung) teilhaben zu lassen. Also eigentlich die perfekte Ergänzung zu dieser Seite. Deshalb hier auch schon einmal ein paar Bilder zur Einstimmung.


Die Jungs und ich beim Pittermännchen-Trinken am Rhein (v.l.n.r.: Alex, der Doktor, Roman und Benedikt)


Die Jungs und ich im schwuppigen Edelpink beim Wodka-RedBull-Trinken für 3,00 Euro (v.l.n.r.: Benedikt, der Partner, Kuba und Benni)


Die Kollegen und ich beim Feierabend-Bierchen vor unserem Büro (v.l.n.r.: Benedikt, Martin, der Partner, Anne und Mathis)

Mein strahlendes Lächeln auf den Fotos ist übrigens echt - sowohl von der Stimmung als auch von den Zähnen her. Hoffen wir einfach mal, dass sich innerhalb der nächsten 26 Wochen daran nichts ändert...