VON FRAUEN UND RENTNERN
Noch 268 Tage und der Rest von heute...
Seit einigen Wochen gehe ich morgens vor der Arbeit Schwimmen. Eine Kombination aus schlechtem Gewissen gegenüber meinem Körper und einer gesunden Paranoia, ich würde mit dreißig aussehen wie Günter Netzer, treiben mich mehrmals in der Woche vom Bett ins Becken. Gerade so als gäbe es eine Studie, die besagt, dass Chlorwasser den Alterungsprozess aufhalten würde.
Nachdem ich dann mein Tagespensum an Bahnen hinter mir habe, genieße ich noch einige Minuten im urinwarmen Außenbecken die ersten Sonnenstrahlen. So auch heute Morgen als ich mir überlegte, dass ich bis zu meinem Geburtstag noch mindestens einen Blogeintrag erstellen sollte. Und während ich entspannt vor mich hin grübele, fängt das Leben neben mir schon einmal an zu schreiben:
Es beginnt mit einem rüstigen Rentner, der sich gegen den Strom der übrigen Pensionsempfänger im Rundbecken [Nennt man das kreisrunde Becken so?] fortbewegt. Dieser Frevel führt natürlich zu direkten Unmutsäußerungen der entgegen kommenden Damen. Und während der Rüpel-Rentner sein Verhalten auch noch verteidigt, geht ein Ruck durch Nachkriegsdeutschland: Der gesamte, vorher noch leb- und ziellos im Wasser treibende, Rentner-Mob verbündet sich zu einem gemeinsamen Schwarm und bezieht eindeutig Stellung (ich zitiere, Anmerkungen in eckigen Klammern):
- "Leute wie Sie brauchen wir hier nicht!"
[Die Notwendigkeit für pergamentbezogenes, totes Fleisch im Außenbereich sehe ich grundsätzlich nicht - aber vielleicht gibt es ja die oben genannte Studie doch...] - "Leute wie Sie wollen wir hier nicht!"
[Deutsche! Krault nicht bei Juden!] - "Gehen Sie oder ich rufe die Polizei!"
[Hallo Wasserschutzpolizei? Ich möchte einen Geister-Rentner im Rundbecken melden.]
Und während der Pöbel noch Schwierigkeiten hat, den Scheiterhaufen im Wasser ans Brennen zu kriegen, eilt auch schon der nächste umher treibende Veteran den Damen zu Hilfe: "Mit den Frauen können Sie vielleicht so umspringen, aber bei mir sind Sie an der falschen Adresse!" [Ich vermute ja, alle Anwesenden haben die selbe Adresse...] Und plötzlich kommen sich beide Männer so nahe als wollten sie sich im Stalingradschen Schützengraben gegenseitig wärmen: "Wollen Sie mich etwa schlagen?" Darauf der Rowdy-Rentner: "Ich habe noch nie jemanden geschlagen - noch nicht einmal meine Frau!" - Alle Achtung, wo doch gerade die eigene Gattin täglich darauf drängt, verdroschen zu werden.
Nun bin ich kein gewalttätiger Mensch und habe deshalb weder Frauen noch Rentner in meinem bisherigen Leben verprügelt. Aber man(n) muss gestehen, wenn es zwei Gruppen wirklich verdient haben, dann doch diese.
Ich befürchte bereits seit längerem, dass es spezielle Lager der Taliban auf Gran Canaria gibt, in denen solche Leute ausgebildet werden. Während Rentnern dort beigebracht wird, warum man immer mit möglichst viel Kleingeld kurz vor Ladenschluss einkaufen gehen sollte, genießen die Frauen die elitäre Ausbildung, einen Mann zuerst in absoluter Selbstsicherheit zu wiegen, um ihn dann in einem möglichst geeigneten Moment als Trottel dastehen zu lassen - Das gibt dem Ausdruck "Trümmerfrauen" doch eine ganz neue Bedeutung.
Die eigentliche Kunst besteht somit darin, beiden Gruppen das nötige Maß an Respekt und gleichzeitigem Mißtrauen entgegen zu bringen. Nur so kann man den bösartigen oder auch unbedachten Attacken entgegen wirken. Dies also mein objektiver Rat an dieser Stelle, bevor ich demnächst selber die Rentenkasse plündere und Frauen haue.

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