GEDANKENGUT
Noch 284 Tage und der Rest von heute...
... dann ist es soweit: Genau so unbeirrbar wie unaufhaltsam rückt der Tag näher, an dem ich meine Unschuld und Unbekümmertheit ablegen werde. Der Tag, an dem die körperlichen und geistigen Gebrechen einen festen Teil meines Alltags einnehmen werden. Der Wendepunkt, die Weggabelung, der Gipfel - der dreißigste Geburtstag.
Man fühlt sich wie ein kaukasischer Bergarbeiter - der Stolleneingang ist ohne eigenes Verschulden verschlossen, es gibt kein zurück mehr, man ist auf sich allein gestellt. Kälte und Dunkelheit umgeben einen. Staub liegt in der Luft und in den Lungen. Mit jeder Stunde, die verrinnt, nehmen die Zweifel zu und man beginnt mehr und mehr sein eigenes Handeln in Frage zu stellen.
"Man", das bin ich - Benedikt, noch NEUNUNDZWANZIG - ein wahrscheinlich ganz normaler Kölner Junggeselle, der bisher soweit mit seinem Leben zufrieden war. Doch nach dem letzten Geburtstag kamen die Fragen. Zuerst ganz leise und kaum zu vernehmen, doch zunehmend immer lauter und penetranter. Irgendwann haben sie wahrscheinlich die Frequenz und Unerträglichkeit eines Mariah Carey-Konzerts erreicht. Bis dahin ist allerdings noch ein wenig Zeit, die für die Suche nach Antworten verwendet werden kann. Diese Zeit werde ich zu nutzen wissen.
Soll der Bergarbeiter doch rumsitzen und auf Rettung warten, ICH fang schon mal an zu buddeln!

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